Wir haben unser Fastenzeit-Projekt „Leben von der Mindestsicherung“ theoretisch geschafft, sind aber praktisch gescheitert. Was ist passiert? Wir sind von einem Höchstmaß von 2367 Euro inklusive Familienbeihilfe ausgegangen (für 1 Monat). Nach Abzug von 1000 Euro für das Wohnen und über 300 Euro für Strom, Wasser, Versicherungen, Müllabfuhr, Telefon etc. blieben uns nur mehr rund 1000 Euro. Am 21. März hatten wir noch 280 Euro für die restlichen zehn Tage übrig. Mehr zu unserem Projekt gibt es hier zu lesen.

Der Weg ist das Ziel. Ist er das?

Ballettunterricht für 200 Euro? Nein!

Die dreizehnjährige Tochter wollte plötzlich mitten in unserer Mindestsicherungs-Phase einen Ballettkurs für ein Semester belegen: Kostenpunkt 200 Euro. So etwas wäre nicht in unserem errechneten Budget drinnen gewesen. Wir hätten ihr schweren Herzens erklären müssen, dass wir dafür kein Geld haben und sie nicht zum Ballett gehen kann. Nun, in Zeiten von Corona hat sich die Erklärung erübrigt – es kann sowieso niemand zum Ballettunterricht gehen, weil dieser gar nicht stattfindet. Trotzdem ist es nicht lustig: Das Gefühl, einem Kind einen langersehnten Wunsch nicht ermöglichen zu können aufgrund mangelnder Finanzen….

13 Euro für Kleidung, Schulsachen, etc.

Jedenfalls waren am 31. März von den verfügbaren 1000 Euro nur noch magere 13 in der Familienkassa. Und das, obwohl die Tochter eben nicht zum Ballett durfte. So gesehen: Projekt geschafft! Da kommt allerdings ein großes ABER!

Wie ging es uns? Natürlich kam uns die Corona-Krise zugute: Wir mussten keine Schulausflüge bezahlen, wir brauchten das Auto so gut wie nie und wir kamen auch gar nicht in die Versuchung, etwas konsumieren zu wollen, da ohnehin seit mehr als zwei Wochen alle Geschäfte und Skigebiete geschlossen sind. Wir haben also um die berechneten 1000 Euro fast ausschließlich Lebensmittel gekauft. Dabei haben wir sogar einmal ein bisschen über die Stränge geschlagen und uns ein richtig gutes vier-Gänge-Menü zuhause gegönnt.

Das war der erste Gang unseres italienischen Menüs

Fazit: Für eine vierköpfige Familie ist es eine Herausforderung mit dem Geld aus der Mindestsicherung auszukommen. Selbst dann, wenn sie die entsprechenden Förderungen für die Schule in Anspruch nimmt und in Second-Hand-Geschäften einkaufen geht. Denn um die verbleibenden 13 Euro kann sich niemand Kleidung, Schuhe, Schulartikel oder notwendige Sonderausgaben leisten. Von einem Drucker und Druckerpatronen ganz zu schweigen – doch diese sind in Zeiten des „Hausunterrichts“ unverzichtbar! Ich frage mich, wie Familien die schulfreie „Corona-Zeit“ meistern, die eben weniger Geld zur Verfügung haben……

Hinaus in die Natur: Das ist immer noch gratis!