DARF MAN SAGEN, DASS MAN NICHTS ZU TUN HAT?

Puh. Nein. Ich trau mich das fast nicht sagen. Denn wenn man nichts zu tun hat, erntet man sofort Blicke, die einem zuschmettern: „Du faules Aas.“

IN DER SCHULE – IM MAI

Ein Kollege: „Wieso bist du denn so braun? Hast eh nichts zu tun?“

Ich: „Naja, jetzt waren ja vier Tage frei. Die habe ich mal genossen und ausgespannt.“

Eine Kollegin klinkt sich in das Gespräch ein: „Ma, du hast es gut. In dieser stressigen Zeit im Mai kannst du am Wochenende ausspannen? Ich hab‘ nur korrigiert und gearbeitet.“

Ich weiß nicht, was ich sagen soll und schaue ein wenig beschämt zur Seite. Und ja, ich fühl mich mies. Gleichzeitig ärgere ich mich über mein Gefühl. Wieso fühlt man sich schlecht, wenn man mal nicht gearbeitet, sondern ausgespannt hat?

DAHEIM – IM OKTOBER

Wie einige bereits gelesen haben bin ich dieses Jahr quasi „nur“ Hausfrau und Mutter. Das bedeutet: Ich habe zwar NICHT nichts zu tun, aber trotzdem viel Freizeit, die ich nur für mich nutzen kann. Langsam wissen auch meine Freunde und Bekannten davon. Deren Reaktion: „Ja, hast du dich jetzt arbeitslos gemeldet? Ja was tust du denn jetzt? Wird dir nicht fad? Na, du Arme! Sollen wir dir helfen einen Job zu finden?“

NEIN! Ich will keinen Job finden. NEIN! Ich bin nicht arm! Und NEIN! Mir wird nicht fad! Einzig und allein das schlechte Gewissen plagt mich, wenn mich dauernd Leute anschauen und spüren lassen, dass ich extrem faul bin.

ARBEITEN, ARBEITEN, ARBEITEN

Jeder „hackelt“ was das Zeug hält. Oder er tut zumindest so. Tut er oder sie das nicht, so ist er oder sie nichts wert. Arbeit, Stress und Überbelastung sind das neue „In-Tool“, die neue Modeerscheinung, das Statussymbol schlechthin. Ich arbeite, also bin ich.

AUF DER FAULEN HAUT LIEGEN?

Tut man mal nix, so kommt einem das sehr komisch vor. Man wird unruhig und sucht förmlich nach Aufgaben und Tätigkeiten. Irgendwas ist doch immer zu erledigen. Putzen, Wäsche waschen, bügeln, kochen. Und ist alles getan, so kann man doch immer noch einen Kuchen backen oder Freunde bekochen. Das alles tut man, damit man eifrig erscheint und sagen kann: „Ich habe so viel Arbeit!“. Am Ende hofft man heimlich, bei allen Freunden, Bekannten, Verwandten und Kollegen gut dazustehen. Vor allem tut man es aber, um Anerkennung zu erhaschen. Man will hören: „Na, was du alles tust! Gewaltig!“

WARUM TUN WIR DAS ALLES?

Ich habe darauf zwei Antworten:

  1. Weil wir uns wegen unserer Mitmenschen stressen. Kinder sind da ausgenommen.Denn wenn ich nur mit den Kindern alleine zuhause bin, dann liege ich gerne faul herum. Ich trage irgendeine Jogginghose und lasse meinen Bauch raushängen. Weil mich (meine) Kinder nicht be- bzw. aburteilen. Die sehen nur mich als Person und eigentlich auch nur die Konsequenzen meines Lebens. Arbeite ich zu viel, bin ich gestresst und grantig. Das mögen meine Kids gar nicht. Bin ich zuhause, ausgerastet und entspannt, so lieben das meine Kinder. Und ich auch. Und mein Mann auch.
  2. Weil wir vor uns selbst davonlaufen. Wir können uns heutzutage sehr schwer mit uns selbst beschäftigen. Da kommen dann Gefühle hoch, die man während der Arbeit gut verdrängen kann. Langeweile? Ist heutzutage tabu. Wem fad ist, der macht laut Gesellschaft etwas falsch im Leben. Wem fad ist, der muss sich dann mit sich selbst beschäftigen – und das löst in vielen Personen wiederum eine Art Stress aus oder zumindest ein Gefühl des Unbehagens.

FAZIT

Wir sollten endlich lernen (oder zumindest ich sollte es in meinem Fall), dass einem wurscht ist, was andere sagen und auch lernen, Zeit mit uns selbst zu verbringen. Wir sollten auch lernen, uns total zu langweilen. Man muss nicht immer in Bewegung sein und etwas Sinnvolles tun. Glücklich ist nur, wer mit sich selbst und seiner kleinen Welt im Reinen ist. Also: Ein Hoch auf die Faulheit und das Nichts-Tun.

Übrigens, falls ihr Tipps zum Faul-Sein braucht, dann lest hier weiter: DARF MAN FAUL SEIN?

2 Gedanken zu “DARF MAN SAGEN, DASS MAN NICHTS ZU TUN HAT?

  1. Gefährlich ehrlich

    Stimmt, Horst! Wir sagen einfach, wie „Die Ärzte“: Lass die Leute reden! Und ja: Das mit dem geringeren Einkommen bedenkt keiner. Eher, dass sie sagen: Ma, hast du viel Freizeit! 😀 Aber: Wurscht! Wir genießen einfach! Have fun, too! Andrea

  2. Liebe Andrea!

    Genieße doch einfach die Zeit! Die Leute haben so oder so immer etwas zu reden!

    Du weißt ja – ich bin seit ca. 5 Jahren auch eine faule Sau, weil ich nur noch 3 Tage in meinem fixen Job arbeite. Die Leute reden mich dauernd an, wie schön ich es doch habe. Und ich höre wirklich jeden (ja JEDEN) Mittwoch: „Na für dich ist ja schon Freitag!“. Meine Antwort: „Ja, und das ist auch gut so 🙂 !“

    Schlechtes Gewissen? Nein, sicher nicht. Die kürzere Arbeitszeit hat ja auch ihren Preis (weniger Kohle), den ich aber gern für die gewonnene Lebensqualität zahle.

    Also lass‘ dich nicht beirren und genieße auch, wenn dich deine Familie nun öfter fröhlich sieht ;-).

    Have fun
    Horst

Trau dich und sei gefährlich ehrlich!

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