Jugendsprache? Ja, da bin ich ab und zu etwas „lost“ und „in pain“. Warum? Weil die Jungen eine Sprache reden, die wir „älteren Semester“ nicht verstehen. Das Krasse daran: Sobald wir sie verstehen, gibt es schon wieder neue „Codes“ bzw. sobald wir ihre Wörter gar verwenden werden sie automatisch „uncool“ und fallen in den „Papierkorb“.

Jugend und Sprache

Gerade für mich als Sprachenlehrerin ist es immer spannend, wie sich Sprache verändert – sowohl im Deutschen als auch im Englischen. Es verändert sich nicht nur ständig, sondern auch sehr schnell. Kaum habe ich als Erwachsener ein Wort kapiert ist es schon wieder „out“. So war es etwa mit den Wörtern „nice“ oder „swag“.

Ach ja, und falls ich dann doch eines ihrer Wörter benutze, dann heißt es: „O.k., Boomer!“ was soviel bedeutet wie: „Jaja, du alte Schachtel!“ 🙂

I’m loving it

Das war sie: Die Phrase, die man vor vielen Jahren NIE und NIMMER verwenden durfte. Laut Grammatikbüchern hieß es nämlich immer: Das Wort „love“ hat keine -ing Form. So predigte ich das auch immer den Schülern – bis dann die McDonald’s Werbung kam und JEDER diese Phrase übernahm und verwendete. Ich sprach dann mit „native speakers“ und sie bestätigten mir: Ja, man darf nun auch „I am loving it“ sagen.

Jugendsprache als Code?

Oft denke ich mir: Was reden die? Mit meinen 45 Jahren verstehe ich oft einfach den Inhalt bzw. die Bedeutung einzelner Wörter nicht mehr.

Meine Tochter (15) kommt neulich nachhause und meint: „Du, Mama, die wollten mich mit dem Burschen xy shippen!“ und ich so: „Oh no, du Arme! Wirst du also gemobbt?“ Die Tochter: „Nein, shippen heißt nicht mobben, sondern verkuppeln.“ Ich so: „Ah, ja, vermutlich kommt das irgendwie von Parship.“ Aber was weiß ich schon……

High Waist Jeans and Crop Tops

Kennt ihr euch aus? Jedenfalls ist das der neuster Modetrend. Die Freundinnen meiner Tochter sind neulich zu Besuch und ich sage zu ihnen: „Ui, eure hohen Hosen mit den vielen Löchern gefallen mir nicht, aber eure bauchfreien Leiberl dazu sind herzig.“ Meine Tochter übersetzt und sagt zu den Mädels: „Was meine Mama meint: Eure high waist Jeans sind nicht so gut, dafür aber eure crop Tops.“ Tja.

„Ihr schaut aus wie Sandler!“

Apropos löchrige Jeans: Mir kommt vor, dass es gar keine anderen Jeans mehr gibt. Während mein Vater (heute 73) vermutlich noch immer ins Geschäft geht, um dort eine „braune oder schwarze Bluejeans“ zu kaufen, so trägt die Jugend heute „Löcher“. Da konnte ich mir neulich nicht verkneifen zu sagen: „Ihr schaut alle aus wie Sandler“. Ui, das hätte ich nicht sagen dürfen! Da waren sie alle beleidigt.

Dripping, fancy Jugendsprache

„Frau Prof., Sie schauen mit der pinken FFP2-Maske so richtig dripping aus!“, so die Schüler im Mai 2021 zu mir. Ich schaue blöd, weil ich ja nicht weiß, ob das vielleicht eine Beleidigung ist. Aber nein: Ganz im Gegenteil erklären mir die Kids.

Jugendsprache damals?

Ja, auch ich war mal jung, genauso wie mein Mann. Was haben wir damals so geredet? Während ich mich an keine besonderen Wörter erinnern kann, so gräbt mein Ehemann eines aus und sagt neulich beim Wandern: „Die hinter uns hätten uns eigentlich schon längst überholt haben müssen. Vermutlich waren sie auf einen Staudenrauscher und sind daher so langsam.“ Ich schaue wieder blöd und kenn mich nicht aus, bis er mir erklärt, was ein „Staudenrauscher“ ist. Wisst ihr es? Ich sag nur: Herzig!

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