Das liebe Handy. Es lenkt, leitet und führt uns, um nicht zu sagen, es hat sogar oft die Kontrolle über uns. Zeit, das zu ändern und wegzukommen vom Suchtfaktor „Handy“.

Das Experiment

„Kinder, ihr dürft in der ersten Ferienwoche das Handy so oft verwenden wie ihr wollt. Und wenn es über 80 Stunden sind, dann ist mir das auch egal. Tut was ihr wollt. Schaut youtube-Videos. Zieht euch TikTok rein. Scrollt durch Instagram. Wie es euch gefällt!“ Die Kinder starren mich an und fragen: „Und wo ist der Haken?“ Im Prinzip gibt es keinen Haken – einzig: „Ihr müsst dann die darauffolgende Woche das Handy weglegen. Also fast zur Gänze weglegen. Ihr dürft nur über whatsapp oder Telefon kommunizieren. Alles andere ist tabu.“ Die Kinder schauen. Der Mann auch. Alle überlegen noch, ob sie mitmachen sollen.

Einwände

…. gibt es dann nur vom Mann: „Aber ich bin da ja auf Dienstreise. Da muss ich schon die Mails am Handy abrufen können und auch Teams verwenden.“ Worauf ich ihn ansehe uns sage: „Wer muss schon Mails am Handy beantworten? Jeder hat mittlerweile einen Laptop. Da muss es doch wohl einmal möglich sein, die Arbeitsagenden am Computer und nicht am Handy abzuwickeln. Ist doch gut, wenn man dann die Arbeit abends quasi zuklappt, oder?“ Er wieder: „Nein, das geht nicht. Du kennst dich da nicht aus. Ich warte oft auf Wichtiges und da muss ich eben auch am Handy dann Mails beantworten.“ Bla, bla, bla. Ich höre nicht mehr zu, stehe auf und gehe. Dann eben nicht.

Bildschirmzeit am Handy limitieren

Seit über einem Jahr haben wir familienintern eh schon eine kleine Abmachung: Jeder von uns schickt einen Screenshot seiner Bildschirmzeit am Sonntagnachmittag in unsere Familiengruppe. Diese Bildschirmzeit darf höchstens bei 10 Stunden liegen. Ansonsten muss man das Handy für ein paar Tage abgeben. Das ist gar nicht so einfach – gerade wenn man frei hat. Da muss auch ich mich an der Nase nehmen und schauen, dass ich nicht zu viel am „Handy versumpfe“. Jedenfalls hatten wir das Ganze vor einem Jahr in einen Wettbewerb ausgedehnt, bei dem auch wir Eltern mitmachen mussten. Denn: Es kann nicht sein, dass ich den Kids das Handy abnehme und selbst dauernd davor „hänge“. Am Ende des Wettbewerbs, der ein Jahr dauerte hat sogar ein Kind gewonnen: Die Tochter hatte am öftesten die niedrigste Bildschirmzeit pro Woche vorzuweisen. Chapeau! Ich war da nie so „TOP“ – hier ein Screenshot von meiner „schlechtesten“ Woche:

Grund für das Handy Experiment

Der Grund für das Experiment ist allerdings ein anderer: Ich habe schon lange das Gefühl, dass sich die Jugendlichen aufgrund von Social Media extrem verändern. Viele haben sogar keine Hobbys mehr, da die Zeit am Handy ihre wertvolle Freizeit auffrisst. Sie werden mehr und mehr von online Spielen und der vorgegaukelten „heilen, perfekten Welt“, die auf TikTok oder Instagram gezeigt wird zusehends aufgefressen und vereinnahmt. Viele glauben, dass sie nicht gut genug wären und verkriechen sich in ihre Zimmer, in der Annahme alle anderen hätten es besser als sie und wären schöner, schlanker und überhaupt viel „superer“. Kein Wunder, wenn man solche Profile sieht:

Darum lob ich mir Celeste Barber, die lustigste und vor allem authentischste Frau auf Social Media:

Tag 2 der Handy-Woche

Heute ist der zweite Tag des ersten Handy Experiments. Und wisst ihr was: Es ist herrlich ruhig hier im Haus. Der Garten ist leer. Der Schwimmteich auch. Der Tischtennistisch steht unberührt und mutterseelenallein am Asphalt. Es gehört alles mir allein, denn die Kids sind auf ihren Zimmern.

Gerade am Wochenende, als ich von unserem Experiment erzählte sagte eine liebe Freundin zu mir: „Geil! Was machst denn da nächste Woche mit der vielen Zeit, die dir bleibt? Da wirst ja die Kinder nicht viel zu Gesicht kriegen.“ Ich so: „Ach ja, an das dachte ich noch gar nicht!“ Jedenfalls sind die beiden (sie sind übrigens 13 und 14 Jahre alt) gerade nicht spürbar. Ich habe dann allerdings schon ein bissl Angst vor der nächsten Woche. Was mach ich denn da mit ihnen? Wurscht, bis dahin genieße ich die Ruhe im Haus und die Freiheit, jederzeit Rad zu fahren, zu laufen, zu shoppen oder was auch immer zu tun, ohne dass ich den Kids abgehe 😉

*Fortsetzung folgt*