DARF MAN DAS RAUCHEN IN BETRIEBEN KONTROLLIEREN?

Nein! Man muss und darf nicht alles kontrollieren!

MUSS ICH AUSSTEMPELN?

Neulich sagt ein Bekannter zu mir: „Du, bei uns im Betrieb gilt seit März die Regelung, dass jeder, der eine Rauchpause einlegt ausstempeln muss. Jetzt ist es so, dass ich mit den Rauchern immer mitgehe, weil es mit denen so lustig ist. Was meinst du: Muss ich da jetzt auch ausstempeln – obwohl ich gar nicht rauche?“

Ha. Das ist sie: Die Gretchen-Frage. Und dann darf man sich gleich weiter fragen: Was ist mit denen, die ewig private Telefongespräche führen. Mit denen, die immer Kaffee-Pause machen. Mit denen, die dauernd im Internet surfen. Mit denen, die den halben Arbeitstag auf Social-Media-Kanälen verbringen? Ausstempeln oder nicht? 

RAUCHER, INTERNETSURFER, KAFFEETRATSCHER KONTROLLIEREN?

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind stressfrei. Sie nehmen sich Zeit für das Wichtige im Leben: Das Miteinander. Denn wer nur den ganzen lieben Tag „hineinbuddelt“ und ausschließlich arbeitet, den wird das liebe Burnout einholen. Und dann ist Schluss mit Lustig. Jetzt kommt die Frage: „Verbrodeln die Raucher, Internetsurfer und Kaffeetratscher wertvolle Arbeitszeit?“ Ich sage NEIN! Und denke insgeheim: Ist nicht jeder von uns Teil einer dieser Gruppen? Vermutlich schon. Und das ist gut so: Denn nur so sind wir vor Burnout gefeit. Nur so hegen und pflegen wir unsere soziale Kompetenz, die folglich auch für das Arbeitsleben essentiell ist.

DIE „PRODUKTIVEN“ UND DIE „BRODLER“

Viele von uns sind im Job total produktiv und schaffen ihr Arbeitspensum in kürzester Zeit. Die fackeln nicht lang herum, sind konzentriert und erledigen alles in der Mindestzeit. Und dann gibt es diejenigen, die herumbrodeln und immer jammern, dass ihnen alles zu viel ist. Sie brauchen für dieselbe Aufgabe doppelt so lang wie der Produktive. Frage: Warum sollte der Produktive dann genauso lange in der Firma hocken wie der Brodler? Könnte man nicht überhaupt das System umstellen? Also: Diejenigen früher heimgehen lassen, die ihre Arbeit bereits erledigt haben?

PARETO-PRINZIP

Kennt ihr das Pareto-Prinzip? Es besagt, dass wir mit NUR 20% Aufwand STOLZE 80% einer Aufgabe erledigen während wir für die verbleibenden 20% (auf die 100%) der Aufgabe satte 80% aufwenden müssten. Das heißt: Ich bin effizient beim Abarbeiten der ersten 80%, aber brauche extrem lange für die gesamten 100%. Und seien wir uns ehrlich: Oft reichen doch 80%. Wir müssen nicht immer 100% geben. Vor allem dann nicht, wenn der Weg dorthin so mühsam ist.

GEDANKENARBEIT SOLLTE AUCH ZUR ARBEITSZEIT ZÄHLEN

Was ist mit Gedankenarbeit, die niemand sieht? Gerade in den Bereichen, in denen Kreativität gefragt ist (wie etwa Marketing, Werbung, Texten) kann man getrost auf eine sogenannte Stechuhr verzichten. Das Aus- und Einstempeln erübrigt sich hier. Warum? Weil in diesen Bereichen Ideen gefragt sind. Und Ideen entstehen nicht auf Knopfdruck. Die müssen reifen und sich von selbst entwickeln. Ich liege oft abends im Bett und mein Gehirn speit enorm coole Sachen heraus, die mir um 10.00 vormittags auf Zwang nie im Leben einfallen würden.

Leider ist diese Art von Arbeit nicht messbar und folglich oft irrelevant, da sie niemand sieht. Fragt mal einen Fotografen, wie lange der braucht bis er eine Idee für ein Motiv hat! Fragt mal einen Buchautor wie lange der braucht bis er eine Idee für eine Geschichte hat! Fragt mal einen Werbetexter, wie lange er braucht bis er einen coolen Slogan entwickelt. Diese Outputs entstehen nicht am Schreibtisch. Sie entstehen sogar eher, wenn man mit Leuten beisammen steht: An der Kaffeemaschine, im Rauchereck oder sogar beim Internetsurfen.

Und: Ein wenig Eigenverantwortung darf man seinen Angestellten ruhig zutrauen.

Trau dich und sei gefährlich ehrlich!