Wir hatten dieses Projekt bereits im Jahr 2018 durchgezogen: Einen Monat von dem Geld zu leben, das wir als vierköpfige Familie als Mindestsicherung bekämen. Wir sind damals kläglich gescheitert (mehr dazu hier). Daher haben wir uns heuer wieder darüber gewagt: Im Rahmen der Fastenzeit wollten wir auf Luxus, Überfluss und Firlefanz verzichten und obendrein versuchen, mit einem Minimum auszukommen und somit bescheiden zu leben.

Es wird scharf gerechnet.

Das ist in der ersten Woche passiert

Wir haben herausgefunden, dass das „Mindestsicherungs – Geld“ keine Soziale Hängematte bietet. Mehr dazu gibt es hier zu lesen. Kurz zusammengefasst:

2367 Euro sind das Höchstmaß für eine vierköpfige Familie: Für einen Erwachsenen gibt es 516,01 Euro pro Monat, für ein minderjähriges Kind sind es 192,64. Das bedeutet: Wir als Familie erhalten 1417,3 Euro. Dazu kommt dann noch ein Zuschuss fürs Wohnen: zusätzliche 536 Euro für die, die im Raum Hallein wohnen. Das wären 1953,3 Euro für 30 Tage. Da die Familienbeihilfe nicht zum Einkommen zählt, rechnen wir noch 414 Euro pro Monat für die beiden Kinder dazu. Diese Zahlen beziehen sich auf einen Monat. Wir sind also bei insgesamt 2367 Euro, das Höchstmaß, das wir nur erhielten, wenn keiner ein Einkommen hätte, keine Wohnbeihilfe bekäme, keine Unterhaltszahlungen und auch die Miete über dem höchstzulässigen Wohnaufwand läge. 2367 Euro für einen Monat, das klingt ja gar nicht so schlecht. Aber wie viel davon bleibt wirklich „zum Leben“? In unserem Fall gehen gleich mal 1000 Euro für das Wohnen weg, über 300 Euro für Strom, Wasser, Versicherungen, Müllabfuhr, Telefon etc. Bleiben also rund 1000 Euro für einen vierköpfige Familie für einen Monat Essen, Kleidung, Auto, Schule und was sonst noch so anfällt.

Auch die Kinder lernen, auf etwas zu verzichten.

Nach zwei Wochen „Verzichten“

Wir merkten schnell: Das Geld rinnt durch die Finger wie nichts. Mehr dazu wieder hier zu lesen.

Hier wieder eine kurze Zusammenfassung: Noch haben wir Geld, denn es ist ja erst zirka ein Drittel der Fastenzeit vergangen. Trotzdem muss man rechtzeitig darauf schauen, dass man hat, was man braucht. Seit 1. März haben wir 430 Euro ausgegeben. Bleiben nur noch 570 Euro bis zum Monatsende.

Der Kühlschrank ist immer ziemlich leer.

So schaut es zehn Tage vor Monatsende aus

Wir haben schon vor Corona verzichten müssen – wie viele andere Familien auch!

Fast hat unser Projekt „Mindestsicherung“ durch die andauernd präsente Corona-Krise an Interesse verloren. Man kann es aber auch anders sehen: Durch die vorherrschende Situation werden wir alle auf die Probe gestellt. Ihr müsst also gerade alle mitmachen beim Experiment: „Verzichten“.

„Ich habe Angst, mich mit mir selbst beschäftigen zu müssen.“ Genau das waren die Worte einer befreundeten Lehrerin vor den Schulschließungen. Tja. Was soll ich sagen: Wie geht es Leuten, die Mindestsicherung beziehen? Die müssen sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen, sondern auch noch die nervliche Belastung aushalten und sich dauernd fragen: Geht es sich aus, dass wir bis Ende des Monats noch etwas zu essen haben – von Skifahren oder Shoppen ist da gar keine Rede. Natürlich tun auch wir uns nun mit unserem Experiment leichter, weil wir ja nicht in Versuchung geraten, etwas tun zu wollen, für das wir gerade kein Geld haben. Es ist eh alles abgesagt. Jedenfalls, der Stand der Haushaltskassa ist folgender: Wir haben in der vergangenen Woche weitere 290 Euro ausgegeben – fast ausschließlich für Lebensmittel. Um 35 Euro haben wir das Auto getankt, das wir aber so gut wie nie brauchen. Das bedeutet, es bleiben noch 280 Euro bis zum Ende des Monats – also für 10 Tage. (Stand 21.3.)

Brot backe ich selbst. Das ist billig.

Wo hätten wir mehr verzichten können?

Eine meiner Freundinnen ist Frisörin und meinte, nachdem sie die letzte „Fasten-Spalte“ las, dass ein Frisörtermin bei ihr nur 12 Euro statt 16 Euro für den Sohn gekostet hätte. Wir ärgern uns im Nachhinein, denn um vier Euro kann man DREI Laib Brot backen. Die Hose des Sohns hat ein Loch. Was tun? Natürlich habe ich das Loch geflickt und nicht gleich die Hose entsorgt. Am Jausenteller bleibt noch ein Mini-Rest von der Butter übrig. Was tun? Natürlich zurück in den Kühlschrank.

Die Hose wird geflickt.

Billig kochen – billig essen

Wer sich nun fragt, was wir so essen, um wirklich gut, gesund und trotzdem billig über die Runden zu kommen, hier ein paar Auszüge: Knödel mit Kartoffelsalat. Nudeln mit Tomatensoße. Reispfannen. Kasnock‘n. Das Brot – wie schon angemerkt – backe ich selbst genauso wie die Kuchen. Es gibt Gemüse der Saison wie Kohl, Kraut oder Karotten. Auch Kartoffeln mit Butter oder ein wenig Schinken kosten nicht viel genauso wie ein herrliches Butterbrot mit Kräutersalz.